Herzlich Willkommen und viel Spaß beim Schmökern
Bettina‘s Lese-Ecke
Kiana rannte zeitgleich mit dem großen Mann los. Er erreichte den Unglücksraben in dem Moment, in dem er zu Boden fiel. Ohne zu Überlegen hielt sich sein Verfolger mit der einen Hand an einem herausragenden Ast fest, mit der freien Hand erwischte er den Kleinen genau in dem Moment an seiner Jacke, in dem er über den Abhang rutschte. Für einen Augenblick hing der Flüchtling frei in der Luft. Auch Kiana war jetzt nur noch wenige Schritte von der Unglücksstelle entfernt. Entsetzt sah er seinen Helfer an. In seinen Augen lag die Gewissheit, dass er dem Tode geweiht war. Noch bevor Kiana helfen konnte, riss die Jacke des Kleinen und er stürzte ins Bodenlose. Er schrie nicht. Er rief nur einen Namen. Manee. Einen Moment blieb der große Mann fassungslos über den Abgrund gebeugt. Als er sich umdrehte und in Kianas erschrockenes Gesicht sah, wurde ihm erst bewusst, dass er nicht alleine war. Er stöhnte leise und zog sich am Ast hoch. Kaum, dass er sicheren Boden unter den Füßen hatte, kam der vom Regen durchtränkte Hang ins Rutschen. Der Fremde verlor den Halt und stürzte. Im Fallen drehte er sich geistesgegenwärtig um die eigene Achse, wodurch er sich mit einer Hand an einem freigespülten Felsen festhalten konnte. Mit der anderen Hand suchte er nach einem weiteren Halt. Kiana griff zu und umschloss fest seine Finger. Der Fremde sah Kiana erstaunt an. „Lass los!“, rief er gegen den stärker werdenden Wind. „Du kannst mich nicht halten!“ Kiana schüttelte mit dem Kopf. Sie selbst hielt sich an einem dünnen Stamm fest. Was nicht gerade der sicherste Halt war. Sie sah den Fremden wütend an. „Suche etwas, worauf du dich mit den Füßen ab-stützen kannst!“, schrie sie. „Dann kann ich dich hal-ten!“ Der Fremde lächelte. Regen peitschte ihnen ins Gesicht und der Wind zerrte an ihren Haaren. Der Sturm kam näher. Mit einer Hand klammerte er sich am Fels fest, und mit der anderen hielt er Kianas Finger umschlossen. Er hatte nur mit den Fußspitzen einen unsicheren Stand finden können. Etwas Bequemeres und Stabileres gab es nicht. Was diese zierliche Frau mit Sicherheit wusste, was sie allerdings nicht wahrhaben wollte. Der Fremde lächelte gequält. Lange war es ihn sowieso nicht mehr möglich, sich an diesem schmalen Felsvorsprung festzuhalten. Eine Tatsache, die diese bezaubernde Frau einfach ignorierte. Wäre er jetzt alleine, würde er vor Wut schreien. Er war unvorsich-tig gewesen, und er hatte versagt. So sah er ihr nur unverwandt in ihre ausdrucksstarken, dunklen Augen.